Gemeindeversammlung am 1. Advent 

Nach dem Gottesdienst zum 1. Advent, der musikalisch bereichert wurde durch das wunderbare Cellospiel von Wolfgang Nagel, am Piano begleitet von Marion Huth, blieben etwa 35 Interessierte zur Gemeindeversammlung. Auch Dekan Arno Kreh war der Einladung gefolgt. Dr. Erwin Rieke eröffnete die Versammlung und stellte die Tagesordnung vor:
Liturgie in der Laurentiuskirche Seeheim
Renovierung des Pfarrer-Reith-Hauses
Orgelrenovierung Malchen
Gemeindebrief Laurentius.
Bei seiner Einleitung in den ersten Tagesordnungspunkt, die gottesdienstliche Liturgie der Laurentiuskirche, verlas Dr. Rieke zunächst den Beschluss des Kirchenvorstands vom 1.11.2017, die Liturgie der EKHN in der Form II (B) ab Dezember probehalber für ein Kirchenjahr ab 03.12.2017 in den Gottesdiensten der Laurentiuskirche anzuwenden.
Pfrn. Loggen führte in die Liturgie nach Form II B der EKHN ein, die nun in Seeheim zur Anwendung kommt. Pfrn. Loggen erläuterte die Besonderheiten und begründete die einzelnen liturgischen Veränderungen auf der Grundlage theologischer und liturgiegeschichtlicher Aspekte. Ihre Ausführungen bezogen sich insbesondere auf folgende liturgische Schritte:

1. Der Gottesdienst wird nach Glockengeläut und Orgelvorspiel mit einem Gemeindelied eröffnet, gefolgt vom trinitarischen Votum. So wird zu Beginn deutlich, in wessen Namen wir Gottesdienst feiern. Es folgen Wochenspruch und Begrüßung. Die Abkündigung zu Beginn, gelesen von einem Kirchenvorstandsmitglied, entfällt hiermit. Dies hat neben der Berücksichtigung theologischer Gründe den Vorteil, dass statt dreier Abkündigungen insgesamt nur zwei notwendig sind.

2. Das eingeschobene Confiteor, laut Auskunft eines Kirchenvorstandsprotokolls von 1956 schon damals seit vielen Jahren sehr umstritten, soll seinen ursprünglichen Sinn als Rüsthandlung wieder zurück erhalten: es erfolgt in der Sakristei als vorbereitendes Gebet der Kirchenvorstände mit Pfarrer/Pfarrerin, wie es schon seit langem Brauch ist, sowie für die Gemeindemitglieder üblicherweise als Stilles Gebet am Platz, ehe man sich setzt. Eine besondere Reinigung in Form eines expliziten Confiteors, in dem man sich zu Beginn des Gottesdienstes nochmals gesondert schuldig bekennt, ist mit Martin Luther nicht notwendig, denn es heißt, so dokumentiert in der zentralen Bekenntnisschrift der Confessio Augustana von 1555: Sola gratia, aus Gnade allein sind wir gerettet. Das bedeutet in Bezug auf den Gottesdienst: Wir dürfen vor Gott treten, so wie wir zu ihm kommen mit allem, was wir an Belastendem aus der Woche mitbringen. Wichtig: Der Schritt des Sündenbekenntnisses ist auch in der Liturgie der EKHN nach Form II B, im EG zu finden auf S. 18, ff. gleich nach dem gemeinsamen Psalmgebet vorgesehen und nimmt somit inhaltlich das Anliegen des aus der katholischen Messe stammenden Confiteor vollständig auf. Es muss allerdings nicht beschränkt bleiben auf die individuelle Sünde und Schuld, sondern kann den Einzelnen im gesamten Zusammenhang von Schuld und Sünde hineinstellen.
Das Sündengebet zu Beginn bleibt auf jeden Fall bestehen, auch der Kyrie-Wechselgesang zwischen Gemeinde und Liturgin/Liturg soll bleiben. Abgeschlossen wird das Kyriegebet mit der ausdrücklichen Gnadenzusage und diese von der Gemeinde beantwortet durch das gesungene Gloria.
Von einzelnen Anwesenden wurde hier in Frage gestellt, ob das Confiteor tatsächlich umstritten gewesen sei, ein Punkt, der sich allerdings durch das besagte KV-Protokoll von 1956 belegen lässt.

3. Statt der bisher üblichen zwei Schriftlesungen soll nun ein Text aus dem Alten Testament oder eben in Abstimmung mit dem Predigttext des Sonntags ein Epistel- bzw. Evangeliumstext des Sonntags gelesen werden. Hier soll eine gut verständliche, anerkannte und am Urtext nahe Übersetzung zugrunde gelegt werden, auch ist möglich, dass das verlesende Kirchenvorstandsmitglied mit ein bis zwei Sätzen in den Text einführt. Im Gemeindegespräch wurde vereinzelt der Wunsch geäußert, es bei zwei Lesungen zu belassen. Dies kann nach Auswertungen der Erfahrungen mit der veränderten Liturgie während der Probezeit aufgegriffen werden.

4. Die Kanzel ist eine Einrichtung, die vor der Erfindung von Mikrofonanlagen der besseren Verständlichkeit diente, sie ist primär kein liturgischer Ort. Bei schwach besuchten Gottesdiensten kann die Predigt vom Lesepult aus erfolgen, ohne ihren Wert als zentrales Element der Verkündigung zu verlieren. Hier wurde der Wunsch geäußert, möglichst von der Kanzel zu predigen, damit von allen Plätzen aus die predigende Person gesehen werden kann.

5. Das Apostolische Glaubensbekenntnis soll mit der Gemeinde weiterhin gemeinsam als Bekenntnis gesprochen werden, die Wendung des Liturgen/der Liturgin zum Kreuz hin entfällt. Das Bekenntnis aus dem 5. Jahrhundert hat eine lange und wechselvolle Entstehungsgeschichte hinter sich und ist in mehrfacher Hinsicht ein Kompromiss. Es stellt jedoch das zentrale christliche Taufbekenntnis dar und soll deshalb beibehalten werden, außer an Festtagen, an denen auch das Nicänische Bekenntnis gesprochen werden kann. Bei Gottesdiensten in anderer Form wie Familien – oder Jugendgottesdiensten kann jedoch auch ein moderneres Bekenntnis gesprochen werden.

Von einigen Gemeindemitgliedern wurde die Befürchtung geäußert, dass zu viel verändert werde und man sich dadurch im Gottesdienst nicht mehr heimisch fühle. Die beiden Pfarrpersonen betonten, dass es ihnen wichtig sei, dass Gottesdienstbesuchende sich in der Liturgie geborgen fühlen, und wiesen darauf hin, dass es sich – auch wenn jetzt viel erklärt worden sei – nur um einzelne Elemente handle, die verändert werden. Mit Form II B liege eine in der EKHN sehr verbreitete Form vor, die seit Jahren in vielen Gemeinden auch rings um Seeheim in Gebrauch sei. Die Form II B stelle keine Totalrevision der Liturgie dar, der Gottesdienst sei wiedererkennbar und nachvollziehbar, auch für evangelische Christen, die besuchshalber aus anderen Gemeinden den Seeheimer Gottesdienst mitfeiern möchten und denen die Form II B vertraut ist.
Diese Argumente wurden von einigen unterstützt. Auch mit Rücksicht auf die Pfarrpersonen sei eine Angleichung der verschiedenen Liturgien an den vier Gottesdienstorten von Vorteil, ebenso gelte dies in Blick auf gottesdienstliche Vertretungen. Aus den Reihen des Kirchenvorstands wurde gesagt, dass durch die Arbeit auf dem KV-Wochenende in Höchst ein Entwicklungsprozess in Gang gesetzt wurde, der von anfänglicher Skepsis zur Zustimmung geführt habe.
Dekan Kreh äußerte sich klar unterstützend für eine Veränderung der Liturgie in der angedachten Weise. Er bedankte sich für die gründliche theologische Vorarbeit und die Transparenz bei der Umsetzung.

Zum Tagesordnungspunkt Laurentiusbote informierte Dr. Rieke über den Anfang des Jahres notwendig gewordenen Wechsel der Druckerei, der die Änderung auf ein Standardformat (A5) und damit eine Änderung des Layouts und der Papierqualität erforderlich machte. Er dankte Familie Giese (Fa. stilEcht) für die langjährige unentgeltliche Gestaltung des Gemeindebriefes, den Spendern für die Unterstützung bei den Druckkosten (700 bis 800 Euro/Ausgabe) und den AusträgerInnen für den unermüdlichen Einsatz beim Verteilen des Laurentius. Manche ältere Gemeindemitglieder können die Verteilung nicht mehr fortsetzen. Daher der dringende Apell: Bitte melden Sie sich im Gemeindebüro, wenn Sie beim Austragen des Gemeindebriefes helfen wollen.

Wir bedanken uns bei allen, die sich engagiert eingebracht haben und freuen uns, wenn Sie Ihre Anregungen und Gedanken im Gespräch mit dem Kirchenvorstand, und mit Pfarrer Sames und Pfarrerin Loggen einbringen.

Pfarrerin Eva-Maria Loggen